Pädagogisches Konzept
Warum wir so arbeiten und wie. Wissenschaftlich fundiert, neurobiologisch begründet, herzensnah.
Unser Ausgangspunkt
Unsere pädagogische Arbeit basiert auf einer gemeinsamen Haltung: … weil Bildung Herzenssache ist. Unser schulisches Handeln zielt darauf ab, Leistungsorientierung und Persönlichkeitsentwicklung konsequent miteinander zu verbinden. Leistung verstehen wir nicht ausschließlich als Ergebnis, sondern als die Fähigkeit von Schülerinnen und Schülern, Lernprozesse bewusst zu planen, durchzuführen, zu reflektieren und anzupassen.
Schülerinnen und Schüler bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit: Vorwissen, Strategien, Motivation, Selbstbilder und unterschiedliche Konzentrationsfähigkeit. Wir planen nicht nur Inhalte, sondern Lernprozesse.
Was wir für Ihre Kinder wollen
🌱 Resiliente Persönlichkeiten
Kinder, die Rückschläge verarbeiten und gestärkt aus ihnen hervorgehen.
🧭 Selbstbestimmte Gestalterinnen und Gestalter
Junge Menschen, die ihr Leben aktiv und eigenverantwortlich in die Hand nehmen.
🔥 Eigenmotivierte Lernende
Schülerinnen und Schüler, die aus eigenem Antrieb lernen, nicht aus Angst.
🤝 Mündige gesellschaftliche Teilnehmende
Schule ist mehr als Faktenvermittlung. Sie ist Vorbereitung auf ein eigenständiges Leben.
Wissenschaftliche Grundlagen
Grundlage der pädagogischen Arbeit an unserer Schule ist das evaluierte und evidenzbasierte Mehr-Ebenen-Programm Konflikt-KULTUR© (Grüner, Hilt & Tilp), das von der Grünen Liste Prävention empfohlen wird. Konflikt-KULTUR vertritt die Prinzipien des autoritativen Erziehungsstils, ist bedürfnis- und bindungsorientiert, bietet positive Rollenmodelle und fördert Selbstregulation, Empathie und Problemlösefähigkeiten.
🔬 Neurobiologie
Neuronale Netzwerke verstehen, Sicherheit als Lernvoraussetzung
🧠 Psychologie
Grundbedürfnisse stillen (nach Grawe): Sicherheit, Zuwendung, Autonomie, Spaß, Anerkennung
📚 Pädagogik
Selbstregulation und Classroom Management gezielt und einheitlich anwenden
Was die Wissenschaft sagt
Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina beschreibt Selbstregulation als zentrale Voraussetzung für nachhaltigen schulischen Lernerfolg, berufliche Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Selbstständigkeit entsteht nicht durch Freilassen, sondern durch strukturierte Begleitung und schrittweise Übergabe von Verantwortung.
Anleitung
Lernprozesse werden explizit gemacht und sichtbar.
Übung
Regelmäßige Gelegenheiten zum Erproben von Strategien.
Rückmeldung
Feedback auf Strategien, nicht nur auf Ergebnisse.
Verlässliche Struktur
Ein klarer Rahmen schafft Sicherheit und damit Lernfähigkeit.
Damit Wissen dauerhaft gespeichert wird, müssen Schülerinnen und Schüler Informationen aktiv verarbeiten:
Positive Autorität als Basis
Kinder brauchen Orientierung, Beziehung und klare Führung. Unser Classroom Management orientiert sich verbindlich am Ansatz von Konflikt-KULTUR©. Führung ist zugewandt, transparent, konsequent und berechenbar. Verhalten wird als Lernsignal verstanden und nicht als Störung oder Provokation. Konsequenzen dienen der Orientierung und Verantwortungsübernahme, nicht der Bestrafung.
Alle Kinder satt nach Hause schicken
Jeder Mensch hat Grundbedürfnisse (nach Grawe) – nach Sicherheit, Zuwendung, Autonomie, Spaß und Anerkennung. Doch die einzelnen Bedürfnisse sind bei jedem Menschen unterschiedlich groß: Bei dem einen ist z. B. das Bedürfnis nach Sicherheit besonders stark ausgeprägt, bei anderen das nach Selbstbestimmung.
Wie häufig verlassen Kinder nachmittags die Schule, ohne dass ihre Grundbedürfnisse bedacht wurden? Wie häufig beschäftigen sich Lehrkräfte im Unterricht mit den 2–3 Schülerinnen und Schülern, mit denen es nicht läuft, während die anderen 25 weder Zuspruch noch Anerkennung oder Zuwendung erhalten?
Unser Fokus liegt genau auf dem Gegenteil: Wer es richtig und gut macht, bekommt dafür Anerkennung und Zuwendung. Wer es noch nicht richtig macht, braucht Unterstützung und Hilfe, ohne für das Fehlverhalten Zuwendung zu erhalten.
Konkrete Maßnahmen an unserer Schule
Täglich vor der ersten Stunde begrüßen wir uns mit Handschlag vor dem Klassenraum. Das schüttet Oxytocin aus, bedient das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, baut Cortisol ab und schafft Vertrauen, noch bevor der Unterricht überhaupt beginnt.
Kurzes Innehalten in jeder Stunde, begleitet durch einen Glockenschlag. Das baut Cortisol ab, holt das Gehirn aus dem Flucht-/Kampf-Modus und schafft Vorhersehbarkeit. Damit wird das Bedürfnis nach Sicherheit bedient.
Jede Klasse verfügt über fünf „Fitnessgeräte", die Verhalten und Leistung anerkennen. Die Jahrgangsstufe wählt selbst 2–3 Elemente pro Bereich und ein klassenindividuelles Trainingsgerät. Das System verbindet Regeln, Anerkennung und Feedback. So wird Dopamin ausgeschüttet und der innere Antrieb gestärkt.
Die Feedbackliste begleitet die Individuelle Lernzeit (ILZ): Lehrkräfte geben gezielt Anerkennung für regelkonformes Verhalten und setzen klare Grenzen bei Verstößen, ohne reaktive Zuwendung für Fehlverhalten.
In Fächern mit mehr als drei Unterrichtsstunden pro Woche findet eine Spielstunde statt, optional mit fachlichem Bezug. Damit fördern wir Kommunikation, Kooperation, Frustrationstoleranz und soziales Lernen. Das Bedürfnis nach Spaß und Stimulation wird bedient.
Die Klassen 5–8 verabschieden sich im Abschlusskreis, die Klassen 9–10 mit Handschlag. Ein positiver Tagesabschluss sorgt dafür, dass Oxytocin steigt und das Gelernte sich besser verankert.
Warum jede Maßnahme wirkt
| Maßnahme | Gehirn-Chemie | Bedürfnis | Konkrete Wirkung |
|---|---|---|---|
| Handschlag bei Begrüßung | Oxytocin steigt | Zugehörigkeit | Vertrauen, Bindung, Cortisol sinkt |
| Insel der Stille (Glocke) | Cortisol sinkt | Sicherheit | Gehirn aus Flucht-/Kampf-Modus holen |
| Anerkennungssystem | Dopamin steigt | Selbstwert | Innerer Antrieb und Motivation wachsen |
| Klare Regeln und Konsequenzen | Vorhersehbarkeit | Sicherheit | Stressfreiheit durch Orientierung |
| Abschlussverabschiedung | Oxytocin steigt | Zugehörigkeit | Positiver Abschluss, Lernen bleibt |
Was ist Selbstreguliertes Lernen (SRL)?
Selbstreguliertes Lernen beschreibt die Fähigkeit von Schülerinnen und Schülern, ihr Lernen aktiv zu planen, zu steuern, zu überprüfen und anzupassen. Es geht nicht darum, dass Schülerinnen und Schüler „alleine klarkommen", sondern darum, dass sie lernen, Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen.
Der Kreislauf des Selbstregulierten Lernens
Schülerinnen und Schüler
Ziele setzen · Vorgehen planen · Ressourcen einschätzen · Ablenkungen reduzieren
Lehrerinnen und Lehrer
Fragen stellen · Strukturieren · Zielformulierung anleiten
Schülerinnen und Schüler
Strategien anwenden · IST-SOLL-Vergleich · Aufmerksamkeit steuern · Frustration aushalten
Lehrerinnen und Lehrer
Feedbackliste nutzen · Fachcoachinggespräch führen · Strategien benennen
Schülerinnen und Schüler
Ergebnisse prüfen · Strategien bewerten · Schlüsse ziehen · Fehler als Lernchance sehen
Lehrerinnen und Lehrer
Reflexionsfragen stellen · Abgleich Ziel ↔ Ergebnis · Anpassungen besprechen
Vom Vor-Denken zum Selbst-Lenken
Differenzierung nach Klassenstufen
Engmaschige Begleitung der Wochenplanung und -reflexion im Lerntagebuch durch die Klassenleitung. Hohe Struktur, klare Führung, häufiges Modellieren. Das Feedback fokussiert Lernprozesse und Strategien. Die Lernenden setzen sich SMARTe Ziele. Das Coaching umfasst sieben Gespräche pro Jahr, davon zwei Lernentwicklungsgespräche mit Anwesenheit der Sorgeberechtigten.
Die Wochenplanung und -reflexion im Lerntagebuch bleiben verbindlich. Die Fremdsteuerung wird gelockert, wenn Lernende über genug Selbstregulation verfügen. Selbstregulation bleibt bis Klasse 10 Thema und Auftrag. Das Coaching umfasst sieben Gespräche pro Jahr, davon zwei Lernentwicklungsgespräche mit Anwesenheit der Sorgeberechtigten.
Das Lerntagebuch – Denken über eigenes Denken
In einer ILZ-Stunde pro Woche führen die Schülerinnen und Schüler ihre Wochenplanung und -reflexion im Lerntagebuch durch. Das Lerntagebuch enthält Wochenziel (SMART), Aufgabenplanung (Wann? / Was?), Tagesreflexion (Was habe ich heute gelernt?), Wochenreflexion und emotionale Reflexion. Die Klassenleitung begleitet diesen Prozess aktiv, unterstützt bei der Zielsetzung und gibt Feedback.
Jede Stunde folgt dieser Struktur
Da Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit begrenzt sind, sind Inputphasen klar strukturiert und zeitlich begrenzt. Wichtige Inhalte werden visualisiert. Nach jedem Input folgt aktive Verarbeitung. Lernen wird nicht dem Zufall überlassen, sondern angeleitet.
Klar strukturiert, zeitlich begrenzt, wichtiges visualisiert, aktivierend. Der Input ist auf das Wesentliche reduziert – das Arbeitsgedächtnis wird nicht überlastet. Die Lehrkraft modelliert ggf. eine Strategie: „Ich gehe so vor …"
Vor Beginn der ILZ formuliert jede Schülerin und jeder Schüler ein konkretes, überprüfbares Ziel für die Stunde.
Hinweis: Diese 5 Minuten sind eine Investition. Durch klare Zielformulierung entfallen spätere Rückfragen und die effektive Lernzeit steigt.
ILZ ist keine stille Beschäftigung, sondern angeleitete Selbstregulation.
Schülerinnen und Schüler planen ihre Arbeit, wählen Strategien, überprüfen ihren Fortschritt und passen ihr Vorgehen an. Die Lehrkraft begleitet durch Coachingfragen.
Die Lehrkraft beobachtet, unterstützt, modelliert Strategien und nutzt die Feedbackliste gezielt.
Am Ende jeder Individuellen Lernzeit findet eine bewusste Reflexionsphase statt.
Häufige Fragen und Antworten
Die 5 Min. Zielsetzung ersparen spätere Rückfragen („Was soll ich machen?"). Die Investition rechnet sich durch deutlich höhere effektive Lernzeit.
Genau deshalb üben wir es explizit. Selbstreguliertes Lernen entsteht nicht von selbst, es wird angeleitet und eingeübt.
Struktur und Strategievermittlung ersetzen nicht den Inhalt. Sie machen ihn nachhaltiger und dauerhafter verankert.
Einheitlichkeit für Lernende ist entscheidend. Was in Fach A gilt, sollte auch in Fach B gelten. Das schafft Sicherheit und reduziert Stress.
Sicherheit vor Lernen
Stress-Modus und Lern-Modus
😰 Stress-Modus
Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol
→ Erstarren, Flucht oder Kampf
→ Informationsverarbeitung blockiert
🌟 Lern-Modus
Dopamin, Oxytocin
→ Aufnahmefähigkeit, Motivation, Bindung
→ Gehirn ist offen für neues Wissen
Der Präfrontale Kortex – das Steuerzentrum im Umbau
Der Präfrontale Kortex (PFC) ist zuständig für Planen und Entscheiden, Impulskontrolle, Selbstbeherrschung und Verhaltenssteuerung. Bei Jugendlichen ist er bis ca. 25 Jahre im Umbau und die Amygdala dominiert.
Weil das innere Steuerzentrum noch im Umbau ist, brauchen Kinder und Jugendliche äußere Struktur und Co-Regulation. Die Lehrkraft fungiert als externer PFC.
Kinder machen es gut, wenn sie es können
Diese Haltung durchzieht unser gesamtes pädagogisches Handeln: Fehlverhalten ist ein Signal und kein Angriff. Unsere Reaktion darauf ist Unterstützung, nicht reaktive Zuwendung für das Fehlverhalten.